3 Tipps für eine inklusive Pressemitteilung

Noch immer ist die Pressemitteilung ein elementarer Bestandteil der täglichen Arbeit von PR-Agenturen und Inhouse-Kommunikationsabteilungen. Umso wichtiger ist es, bei ihrer Erstellung auf geschlechtersensible und inklusive Sprache, Bilder und Repräsentation zu achten.



Wann immer ein neues Produkt gelauncht, die Geschäftsführung erweitert oder auf einen Sachverhalt reagiert wird, kommt sie zum Einsatz: die Pressemeldung. Nicht nur Unternehmen greifen auf diese klassische Form der PR zurück, auch Behörden, Institutionen oder Verbände kommunizieren so mit Medien und Öffentlichkeit. Jeden Tag werden allein in Deutschland mehrere hundert Pressemitteilungen veröffentlicht, finden ihren Weg in die Fachmedien oder Nachrichten (lokal oder überregional), auf unsere Bildschirme oder versinken im schlechtesten Fall in der Bedeutungslosigkeit.

Weil die Pressemeldung zum Daily Business von PRler:innen, Unternehmen und Multiplikator:innen gehört und mitunter ein riesiges Publikum anspricht, ist es wichtig, ihr besondere Aufmerksamkeit zu schenken, nicht nur hinsichtlich ihres Inhalts, sondern auch in Bezug auf die verwendete Sprache. Hier einige Tipps für Pressemitteilungen, die mehr als nur einen Teil der Bevölkerung ansprechen:


Verwende sensible und inklusive Sprache


Möchte ich mit meinem Text wirklich nur Männer anschreiben (weil ich auf das generische Maskulinum zurückgreife und damit mal wieder die andere Hälfte der Menschheit geschickt unter den Tisch fallen lasse) oder ist es mir wichtig, möglichst viele in der Gesellschaft vertretene Menschen zu erreichen? Dann sollte ich z.B. nicht von „Kunden“ oder „Künstlern“ sprechen, sondern von Kund:innen (alternativ: Kundschaft, Kunden und Kundinnen, KundInnen, Kund*innen) oder Künstler:innen. Welche Möglichkeiten es bei der Ansprache von allen Geschlechtern gibt, lest ihr bald in einem gesonderten Beitrag).


Einfach mal die Vorständin zu zitieren, erhöht die Sichtbarkeit von Frauen enorm.

Zitiere Menschen, die sonst unsichtbar sind


Keine Pressemeldung ohne Zitate oder wörtliche Rede, denn gerade starke Zitate werden von Multiplikator:innen aufgegriffen. Die Zitate stammen meist von – und ich verwende hier bewusst das generische Maskulinum – Experten oder Geschäftsführern. Dabei gibt es (hoffentlich) mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Frauen im Unternehmen, deren Input hier einfließen werden kann und sollte. Beispiel: Der Vorstand eines Unternehmens beschließt umfassende Restrukturierungsmaßnahmen. Statt einen der elf Männer um ein Zitat zu bitten, lasse ich die einzige Frau im Vorstand zu Wort kommen. Möglicherweise möchte ein Medium die Neuigkeit nun aufgreifen und bittet mich darum, den Kontakt zur besagten Vorständin herzustellen. So habe ich nicht nur dieser einen Frau zu mehr Sichtbarkeit verholfen, sondern auch die Rolle der weiblichen Führungskräfte als Expert:innen grundsätzlich gestärkt.


Achte auf eine realistische Bildauswahl


Als Ergänzung zum reinen Inhalt der Pressemitteilung wird von Agenturen oder Unternehmen immer auch Bildmaterial zur Verfügung gestellt. Dieses kann ich nicht nur formal optimieren (Auflösung, Bildgröße, Beschriftung), sondern mich auch bewusst dazu entscheiden, was oder wen ich zeigen möchte. Möchte ich den immer gleichen alten, weißen Cis-Mann (no offense) zeigen oder gibt es vielleicht auch Menschen im Unternehmen oder Verband, die ein diverseres Bild der Firma zeichnen? Ich kann die Gelegenheit nutzen, um ganz gezielt Frauen, BiPoC oder Menschen aus der LGBTIQ Community abzubilden – also jede:n, der/die nicht dem üblichen Standard entspricht. (BTW: Wusstest du, dass es mehr Männer mit dem Namen „Thomas“ in den Vorständen der DAX-Unternehmen gibt, als Frauen?)


Nutze Quellen von BiPoCs & Co.


Schmeiße ich mich Zahlen, Daten und Fakten um mich (z.B. in Form von Studienergebnissen), muss ich dafür immer auch eine Quelle angeben. Das wird nicht nur in Zeiten von Trumpy Trump Fake News und zunehmend rechtspopulistischen Strömungen immer wichtiger, sondern bietet mir auch die Chance, nicht immer aus den gleichen Quellen zu schöpfen, sondern die Arbeit von Menschen herauszustellen, die nicht so häufig zitiert werden – Frauen zum Beispiel. Und: Vielleicht finde ich ja sogar Forschungsergebnisse von BiPoC-Wissenschaftler:innen, die ich als Grundlage für meine Argumentation nutzen kann?


Wir müssen offen sein für Alternativen und bereit, unser eigenes Handeln zu hinterfragen.

Hör niemals auf zu lernen


Eine inklusive und sensible Sprache zu verwenden oder auf eine realistische Bildauswahl zu setzen sind einfache Möglichkeiten, um die Sichtbarkeit marginalisierter Personengruppen zu erhöhen. Komplizierter kann es sein, sich im stressigen Tagesgeschäft gezielt auf die Suche nach diversen Quellen und Zitatgeber:innen zu machen. Alle hier angesprochenen Maßnahmen sind mit einem individuellen und kollektiven Umdenken verbunden, das eine reflektierte Betrachtung der eigenen Arbeit erfordert. Die Veränderung die dadurch angestoßen wird, ist den Weg und die Anstrengung jedoch wert und enorm wichtig auf dem Weg zu einer realistischen Kommunikation. Für Alternativen offen zu sein und ein Gefühl für Sprache, Bilder und Repräsentation zu entwickeln ist dabei elementar für den eigenen Lernprozess. Wir haben schließlich alle mal irgendwo angefangen und noch ist keine Meister:in vom Himmel gefallen!

|

​© 2020 comms for equality